Marieluise Beck

Mitglied des Deutschen Bundestags

Aus dem Weser Kurier: Fünf Eisenbahnbrücken sind total marode

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Straßen haben Schlaglöcher, an Autobahnbrücken blättert Beton vom rostenden Stahl, auf Fuß- und Radwegen gibt es zunehmend Stolperfallen. Und auch die Eisenbahnbrücken kommen in die Jahre. 157 gibt es auf Bremer Gebiet. Mindestens fünf sind derart marode, dass sie komplett ausgewechselt werden müssen. Zustandskategorie 4 – das heißt, eine Reparatur wäre teurer als ein Neubau. 

VON FRAUKE FISCHER

Bremen. Das Straßen- und Wegenetz ist in die Jahre gekommen. In Bremen und anderswo werden Milliarden für Sanierungen benötigt. Bis zu 100 Millionen Euro pro Jahr plant die Deutsche Bahn beispielsweise bis 2019 im Nordwesten ein. Geld, das vom Bund kommen muss. Die fünf dringend sanierungsbedürftigen Bremer Brücken an der Hemmstraße (zwei), am Mählandsweg in Utbremen, an der Hastedter Heerstraße und der Sebaldsbrücker Heerstraße sind indes noch nicht einmal alle in diesen Plänen berücksichtigt. Eines ist jedoch schon klar: Die aufwendigen Arbeiten werden Zug- und Straßenverkehr in den Brückenbereichen einschränken. 

Der Zustand der Brücken geht aus einer Kleinen Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen hervor. In den Antworten der DB Netze AG verbergen sich die Bauwerke hinter Streckennummern und Kilometerabschnitten, die die grünen Verkehrspolitiker identifiziert haben. Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis hat sie auf Nachfrage bestätigt. Die Arbeiten an der Hastedter Heerstraße laufen bereits. Am Mählandsweg werde 2015 begonnen. Jene an den Hemmstraße-Brücken indes seien noch nicht einmal in der Investitionsplanung für die kommenden sechs Jahre vorgesehen, so der Bahn-Sprecher.

Nach Ansicht der Grünen wirken sich Sanierungen auf den Strecken nicht nur auf Schienenverkehre aus. Umso verärgerter sind sie, insbesondere der grüne Verkehrspolitiker Ralph Saxe, dass die Pläne für notwendige Sanierungen so schleppend und nur auf dringende Nachfrage bekannt würden, so der Vorwurf. „Die Bahn steht in der Verantwortung, umgehend die Brücken mit gravierenden Schäden zu sanieren“, fordert er. Höchste Priorität müsse die Brücke an der Hemmstraße haben, über die der Zugverkehr nach Hamburg läuft. Ein Gutteil der rund 3400 Berufspendler nach Hamburg nutze diese Strecke. Im Falle eines Neubaues müssten Pendler lange Umwege in Kauf nehmen. „Das könnte auch zu volkswirtschaftlichen Schäden führen“, fürchtet Saxe. 

Forderung nach Sanierungsplan

Valerie Wilms, Obfrau der Bundestagsfraktion im Ausschuss für Verkehr, und Marieluise Beck, Bundestagsabgeordnete aus Bremen, fordern deshalb die Deutsche Bahn AG auf, „einen Sanierungsplan für die maroden Eisenbahnbrücken zu erstellen, damit ein reibungsloser Verkehr auch in Bremen und Bremerhaven möglich ist.“ Das Bundesland sei wegen der Lage „an wichtigen Hafenstandorten“ auf zuverlässige Schienenverbindungen angewiesen. Die Brückensanierung müsse angegangen werden. „Das erwarten die Bahnreisenden und die Wirtschaft im Nordwesten.“ Frank Willmann, Bremerhavener Bürgerschaftsabgeordneter und hafenpolitischer Sprecher der Grünen, unterstreicht das. Sanierungen dürften nicht auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden. 

157 Eisenbahnbrücken in Bremen, davon über 18 Prozent umfangreich geschädigt – das klingt alarmierend. Doch nicht alle Bauwerke werden von Zügen befahren, auch sogenannte Signalbrücken nehmen Inspekteure bei ihren regelmäßigen Begutachtungen unter die Lupe, um zu kontrollieren, wie funktionstüchtig und sicher sie noch sind, heißt es von Seiten der Bahn. Die fünf in der Kategorie 4 müssen innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre erneuert werden. „Das ist aber auf keinen Fall ein Sicherheitsproblem“, versichert Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst. Andernfalls hätte das Eisenbahnbundesamt die Brücken schon geschlossen, sagt sie. Die Brückenbauwerke würden mindestens alle drei Jahre geprüft und einmal pro Jahr im Rahmen einer Begehung in Augenschein genommen. „Die betriebliche Sicherheit jeder einzelnen Brücke ist damit jederzeit gewährleistet“, so die Sprecherin. 

Gefahr hin oder her – in Zustandskategorie 4 handelt es sich um Brücken „mit gravierenden Schäden am Bauwerksteil, welche die Sicherheit nicht beeinflussen“. Eine wirtschaftliche Instandsetzung sei nicht mehr möglich, so die Definition. Mit anderen Worten: Es wird neue Brücken geben müssen. Und das kostet ordentlich Geld. Insgesamt stünden 1200 Brücken zur Erneuerung an, der Investitionsbedarf liege demnach noch weit über den Planmitteln, heißt es bei der Bahn. Immerhin sind von den bundesweit knapp 25 000 Eisenbahnbrücken in Deutschland rund 9200 Brücken älter als 100 Jahre, wie aus der Kleinen Anfrage hervorgeht. 

Die Aufgabe, eine Eisenbahnbrücke im laufenden Betrieb zu erneuern, klingt wie eine riesige logistische Herausforderung. Doch Sabine Brunkhorst winkt ab. Je nach Größe und Erneuerungsbedarf würden in ein bis zwei Nächten, möglichst an Wochenenden, die Bereiche für den Verkehr gesperrt, die alten Brücken entfernt und Behelfsbrücken eingesetzt, über die die Züge während der Bauphase rattern können. Parallel würden die neuen Brücken aufgebaut und nach Fertigstellung – je nach Lage – eingehoben oder eingeschoben. „Für unsere Ingenieure ist das Alltag“, versichert die Bahn-Sprecherin. Aufwendig sei vorab die Planung der Bauarbeiten. Allein wegen notwendiger Fahrplanänderungen seien rund drei Jahre Vorlauf notwendig, ergänzt ihr Kollege Meyer-Lovis. 

 

 

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