Marieluise Beck

Mitglied des Deutschen Bundestags

Zu den Flüchtlingen auf dem Balkan

Gevgeljia – der Grenzort zwischen Griechenland und Mazedonien: Glühende Hitze und Ströme von Menschen, die nichts haben außer dem, was sie auf dem Leib tragen. Keine Versorgung, niemand weiß, wie lange sie schon unterwegs sind. Unvorstellbar, wie Kinder diese Strapazen aushalten. 2.000 Menschen am Tag für das kleine Mazedonien (2 Mio. Einwohner) – auf Deutschland übertragen hieße das 80.000 am Tag. Man stelle sich das Chaos und den Widerstand bei uns vor!

Am vergangenen Samstag jedoch waren es 7.000, die von Griechenland den Transport via Zügen und Bussen zwecks Ab- bzw. Durchreise gestellt bekamen. Im Klartext heißt das, dass ein EU-Mitgliedsland und damit die EU seine Probleme Nicht-Mitgliedsländern wie Mazedonien aufhalst. Insofern ist es nachvollziehbar, dass diese kleinen Länder den Transit organisieren, zunehmend professionell. Serbien verfährt nach dem gleichen Muster. Die große Frage für Europa ist: Wo ist der Endpunkt, wie gehen wir human mit denen um, die vor unendlichem Kriegsleid Schutz suchen. Wenn wir dafür keine gemeinsame Lösung finden, wird das Elend weitergehen. Und kein Zaun wird die Verzweifelten aufhalten, solange der Krieg in Syrien weitergeht.

Eine weitere große Zahl der Flüchtlinge stammt aus den Westbalkan-Ländern selbst. Das sind zum Teil Minderheitenangehörige wie Roma, die vor unerträglichen Lebensumständen und Diskriminierung flüchten. Ein großer Teil sind aber auch Angehörige der Mehrheitsgesellschaft, die in ihren Ländern keinerlei Perspektive mehr sehen. In einem Interview mit Nordwestradio appelliert Marieluise Beck heute an die Balkanländer, den Gerüchten und falschen Versprechungen von Schleppern entgegen zu treten. Und damit ihre Bevölkerung davon abzuhalten, ihre Existenz aufzugeben, ihr Haus zu verkaufen, ihre Heimat zu verlassen, um dann mit einem abgelehnten Antrag in einem EU-Land alles verloren zu haben. Marieluise Beck schlägt weiterhin vor, einem Teil der Menschen einen zeitlich begrenzten, legalen Arbeitsmarktzugang in Deutschland zu ermöglichen. So hätten die Familien wenigstens einen, der einige Monate in Deutschland Geld verdienen könnte, um damit die Angehörigen zuhause zu unterstützen. Die Balkanstaaten bräuchten auch weiterhin Unterstützung dabei, ihre Länder zu funktionieren Wirtschaften zu transformieren. Um den Menschen in der Region die Perspektivlosigkeit zu nehmen, bedeutet dies vor Ort 'good governance', Rechtsstaatlichkeit, Verantwortung auch der Eliten und Abbau von Korruption. Transformationsprozesse benötigen sehr viel Zeit.

Das Interview in voller Länge bei Nordwestradio.

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